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Wissen ist Gebrauch Das Bemerkenswerte an den neuen Medien liegt in der Art, wie wir sie nutzen. Die Neuanwendung der Möglichkeit, in unbekanntem Territorium unsere Nutzung zu überdenken, wirft auch die Frage auf, was Nutzung und was Gebrauch in den Neuen Medien bedeutet. Durch die Nutzung von visuellen und symbolischen Beziehungssystemen besteht innerhalb der Kunst das Potential, alternativen Semantiken zufällig zu begegnen. Diese Semantiken betrachte ich als kontingente Neucodierung, die komprimierte Handlungsanweisungen enthält, welche potentiell reproduzierbar und erweiterbar wären. Hierbei geht es jedoch nicht darum, ob dieses Potential de facto aktualisiert wird: Es liegt im Gegenteil in der Eigenheit der Kunst, dieses Potential lediglich zu enthalten. In der Reformulierung Luhmans beinhaltet das Kunstwerk, “dass die Welt immer auch möglicherweise etwas anderes ist”. Das, was ich als Künstlerin hervorbringe, ergibt sich aus dem semantisch geordneten System, das innerhalb meiner Aufmerksamkeit entsteht und das sich selbst seiner eigenen inhärenten Logik folgend fortsetzt. Durch meinen Aufwand an Zeit und Bewusstsein werde ich Zeuge der Existenz dieses Systems. Das Fragment, das sich aus diesem Prozess löst - ein Artefakt das in diesem System entsteht - nimmt seinen Platz in der Welt an den Orten ein, die Gesellschaften für die Ausstellung von oder den Diskurs über visuelle Kunst bereitstellen. In diesem Moment verkörpert “das Kunstwerk” mögliche andere Ordnungen, es lässt “die Welt des auch Möglichen in der Welt erscheinen”. Kunst kann “aufzeigen, dass Realität anders geordnet sein könnte“, und zugleich liegt es in der Kunst, “die Unvermeidbarkeit des Ordnens an sich” sichtbar zu machen. Wer es gewohnt ist, sich der Beobachtung und dem Zustandekommenlassen solcher Systeme zu widmen, weiss, dass sie sich permanent selbst erneuernd fortsetzen. Das Wort “Virtualität” beschreibt „etwas, das beinahe etwas anderes ist“. Etwas, „das nicht physisch existiert, aber durch Software entsteht”. Etwas, das “weder seine Realität noch lediglich das, was es hätte sein können ist,“ sondern das was immer auch Vorstellbar ist und einen aktuellen Bezug zur Realität hat.
Virtualität wird durch die gleichzeitige Partizipation mehrer Subjekte auf verschiedenen Ebenen erzeugt. Im Erleben, im Vorstellen, im Code schreiben, im Nutzen und im Erfahren von Beziehungen, die sich im Digitalen manifestieren, entsteht unser Bild vom Virtuellen:
Eine Art kollektiver Imagination, in dem sich das Auchvorstellbare konstant erweitert. Dieses Auchvorstellbare läßt Rückschlüsse auf das Bekannte zu und unterzieht das, was wir wissen, einer Neubewertung. Wenn im Gebrauch digitaler Strukturen neue potentielle Nutzungsmöglichkeiten gefunden werden koennen, dann liegt das transformatorische Potential des Thinktank und seine einzig mögliche Strategie darin, sich in dieses Feld der Bewegungen hineinzugeben und das, wonach es sucht und was es befragt, zu erzeugen. Der Thinktank befragt, wie wir digitale Umgebungen als Umschlagplatz von Wissen nutzen (können). Er untersucht, wie wir diesen Austausch organisieren und das Potenzial, eine imaginierte Art des Organisierens zuzulassen – durch Wiederholung, die zu Erfahrungen führt, Wiederholung, zur Intensivierung von Erfahrungen, die Wissen sind. Im dritten Online-Gespräch des Thinktank tauchte die Metapher der Orgie auf, um Interaktion im virtuellen Raum zu beschreiben, die sowohl die Unsicherheit als auch das Vertrauen ausdrückt, das im Sich-Einlassen auf eine unbekannte Organisationsform von Körpern mitschwingt. In dem Moment, indem wir als Subjekte Wissen schaffen und teilen (Information die übergeht von einem Subjekt zum anderen, umhergeht zwischen Subjekten), sind wir direkt an der erfahrbaren Aktualisierung von Wissen beteiligt. Nicht als Empfänger oder Sender, sondern als Träger, der, indem er von einem zum anderen geht, Wissen vermittelt, verändert und schafft. Wissensaustausch durch das Zusammenfügen von Intensitäten zu erzeugen und als diskursives Feld in Bewegung zu halten, ist die Praxis, die der Thinktank weiter entwickeln möchte. Zugleich jedoch beinhaltet dieses Prinzip des in Bewegung haltens, des Erzeugens, des Erlebens als Methodik der Wissensvermittlung, dass sie praktiziert werden muss, um weitergegeben werden zu können. Sie muss praktiziert werden, um zu existiert. Die Erfahrungen, die wir in unseren selbstinitiierten Experimenten erlebbar machen und weitergeben, verändern den Bereich des potentiell Möglichen und treiben ihn in den Bereich des Erlebten, des Erfahrenen, sie aktualisieren ihn und erzeugen somit Wissen (wodurch sich das Feld des auch möglichen, des auch Vorstellbaren keinesfalls erledigt, lediglich verlagert, verlängert und verschiebt). “Im Moment der Krise sind alle Spezialisten” lautet ein Zitat der Architektengruppe M7 . Würden wir den Begriff der Krise so verwenden, dass sie eine Situation charakterisiert, in der unseren Handlungen die Orientierung am Bekannten fehlt und ihnen so die “Sicherheit” entzieht, würde auch der Begriff des Spezialisten auf jene anwendbar, die sich in digitalen Strukturen bewegen und deren virtuelles Potential durcharbeiten. Diese Definition des “Spezialisten” lädt uns ein, in den Prozess der Gestaltung und Erweiterung von semantischen Strukturen einzuschreiben. Verwandte Betrachtungen haben im 21. Jhd auch dazu geführt, dass die amerikanischen Thinktanks des Pentagons im Kriegszustand Theorien vorstellten, in denen die Sprecherpositionen in traditionellen, hierarchisch organisierten Strukturen umgestaltet werden. Nicht weil ihnen emanzipatorisches Handeln am Herzen läge, sondern um zu gewährleisten, dass auch in der Abwesenheit eines präzisen und konkreten Plans ein verlässliches Handeln entsteht -. durch Synchronisation eines gemeinsames Bewusstseins, durch das Bereitstellen von aktualisierter Information und durch relative Übereinstimmung von kognitiven Entscheidungsprozessen. Nicht ohne Grund beinhaltet der Name Thinktank die Aneignung einer Methodik, unterschiedliches Wissen zusammenzubringen, um Strategien des Handelns zu entwickeln. Wir rücken in unseren Praxen das Konzept des Netzwerks selbst ins Zentrum.Wir handeln im Bewusstsein, an einem gemeinsamen Wissenspool mitzuschreiben und neue Formen der Artikulation zu entwickeln. 1. Artworks’ Networks - Field, System or Mediators? |
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